Im Februar dieses Jahres hat die US-Regierung unter Trump die bereits über sechs Jahrzehnte anhaltende, völkerrechtswidrige Blockade gegen Kuba weiter verschärft. Die Lieferung von Öl zur Insel wird seitdem über Sanktionsdrohungen gegen liefernde Staaten durch die USA vollständig unterbunden. Bereits vor der Verschärfung hatte die Blockade enorme wirtschaftliche, soziale, gesundheitliche und bildungspolitische Folgen für das kubanische Volk.
Nun ist mit der Ölblockade eine schwere Energie- und Versorgungskrise eingetreten und eine humanitäre Katastrophe droht. Bereits zum zweiten Mal in kürzester Zeit war die Insel von einem landesweiten Stromausfall betroffen, bei dem unter anderem Krankenhauspatienten aufgrund des Ausfalls von Beatmungsgeräten erstickt sind. Ohne Energie verderben die wenigen verfügbaren Lebensmittel im Kühlschrank. Die Telefon- und Internetverbindung bricht ständig ab. Aufgrund des Kraftstoffmangels sammelt sich der Müll auf den Straßen, weil eine Müllentsorgung nur eingeschränkt möglich ist. Der Unterricht an Schulen und Universitäten fällt aus.
Als Fachschaft Physik und Biophysik sehen wir uns angehalten, gegen diese Aggression durch die Vereinigten Staaten auf Kuba Stellung zu beziehen. Nicht nur, weil die Blockade einen eklatanten Verstoß gegen das Völker- und Menschenrecht darstellt und somit im Sinne von Artikel 25 des Grundgesetzes jeden was angeht. Wir beziehen Stellung, weil mit dem Angriff auf das kubanische Volk durch Trump und seine Schergen die Errungenschaften des eigenständigen kubanischen Entwicklungspfades zunichtegemacht werden sollen. Denn sie zeigen, dass ein anderes Gesellschaftssystem – Ergebnis des Selbstbestimmungsrechts des kubanischen Volkes – möglich ist, in dem der Mensch, und nicht der Profit, im Mittelpunkt steht.
Dies drückt sich unter anderem im Bildungssystem aus, das weltweit ein Leuchtfeuer ist. Hierzu einige Auszüge aus dem Länderbericht des Deutschen Akademischen Austauschdienstes [1]:
“Vom Kindergarten bis zur Promotion ist die Nutzung von Bildungseinrichtungen für Kubanerinnen und Kubaner nach wie vor kostenfrei. Einem humanistischen Bildungsideal folgend wird der Zugang zu Bildung als Menschenrecht angesehen, das keiner Kommerzialisierung unterliegen darf. Mit knapp 13 Prozent des BIP investiert der kubanische Staat laut Angaben der Weltbank so viel in Bildung, wie sonst kein anderes Land weltweit. […] Kuba [ist] das einzige Land in Lateinamerika, das die Ziele des UNESCO-Programms „Education for All“ erreicht hat.”
Kuba übernimmt als Ausdruck gelebter internationaler Solidarität neben der Ausbildung seiner eigenen Bevölkerung Verantwortung für die Verbreitung von Bildung an diejenigen, denen sie sonst verwehrt bliebe:
“Laut UNESCO zählte Kuba lange zu den Top 5-Zielländern der mobilen Studierenden aus Lateinamerika und der Karibik. Aktuell kommen die meisten ausländischen Studierenden in Kuba v.a. aus Afrika: 1. Südafrika, 2. Kongo, 3. Angola, 4. Kolumbien und 5. Namibia.” [1]
Hinzu kommt die Solidarität mit der palästinensischen Bevölkerung inmitten des an ihnen verübten Völkermordes: hunderten palästinensischen Studierenden wurde bereits die kostenfreie ärztliche Ausbildung an der Lateinamerikanischen Hochschule für Medizin ermöglicht, sodass sie ihre Mitmenschen vor Ort in Gaza und dem Westjordanland versorgen können.
Die öffentliche Verbreitung dieser Tatsachen muss gerade jetzt mit der umfassenden Blockade gegen Kuba verstärkt unternommen werden. Aus allen gesellschaftlichen Bereichen muss die Forderung nach dem unverzüglichen Ende der Blockade hervorgehen. Wissenschaft ist ein inhärent kooperatives und internationales Unterfangen. In diesem Sinne und in Einklang mit der Zivilklausel der Goethe-Universität sprechen wir als Fachschaft Physik und Biophysik unsere volle Solidarität mit allen KommilitonInnen und KollegInnen auf Kuba aus. Wir unterstützen die Petition “Scholars in solidarity with Cuba” [2] und rufen alle dazu auf, gleich zu tun!
[1] https://www.daad.de/de/laenderinformationen/amerika/kuba/ueberblick-bildung-und-wissenschaft/
[2] https://www.change.org/p/scholars-in-solidarity-with-cuba-300f8363-2669-4c78-b6fd-7d1d42fcbdd7